Blog · 3. Juni 2026

GREIV-Auktion 2026 — Förderung für grosse PV-Anlagen über 100 kWp

Die Grosse Einmalvergütung (GREIV) als Förderung für PV-Anlagen über 100 kWp: Auktionsverfahren, Termine 2026, Erfolgsfaktoren bei der Gebotsabgabe.

3. Juni 2026 · Solar-Kosten Schweiz

Solar-Kosten Schweiz bietet unabhängige Schweizer Solar-Informationen. Dieser Beitrag ist Teil unserer Wissensreihe zu Photovoltaik, Förderung und Wirtschaftlichkeit.

GREIV — die Förderung für grosse PV-Projekte

Während die KLEIV automatisch für Anlagen zwischen 2 und 100 kWp gilt, brauchen grössere Photovoltaikanlagen eine andere Förderform: die Grosse Einmalvergütung (GREIV). Sie wird über halbjährliche Auktionen vergeben — Bauherren müssen Gebote abgeben und konkurrieren um die besten Förderbeträge. Das System ist komplex, aber für Gewerbe, Industrie und grosse Mehrfamilienhaus-Projekte unverzichtbar.

Wer ist GREIV-pflichtig?

Die GREIV gilt zwingend für PV-Anlagen mit Spitzenleistung über 100 kWp. Typische Anwendungen:

  • Grosse Gewerbedächer (Industrie, Lagerhallen, Bürogebäude)
  • Landwirtschaftsbauten (Ställe, Maschinenhallen)
  • Grosse Mehrfamilienhaus-Anlagen über 100 kWp
  • Schulen, Spitäler, öffentliche Gebäude
  • Solar-Parks mit Bodenanlagen

Auktionsverfahren — wie es funktioniert

Pronovo schreibt zweimal jährlich (typisch April und Oktober) eine Auktionsrunde aus. Bauherren oder ihre Vertreter geben Gebote ab:

  • Geboten wird der Förderbetrag pro kWp, den der Bauherr maximal benötigt
  • Die niedrigsten Gebote erhalten den Zuschlag — bis das Auktionsbudget erschöpft ist
  • Tarif-Cap 2026: maximal CHF 410 / kWp Förderung (Plafond)
  • Tarif-Floor: minimal CHF 220 / kWp

Aktuelle GREIV-Tarife 2026

Aus den letzten Auktionen ist ersichtlich:

  • Frühling 2025 Auktion: durchschnittliche Förderung CHF 305 / kWp
  • Herbst 2025: CHF 295 / kWp
  • Frühling 2026 (erwartet): CHF 270-290 / kWp

Die Tendenz ist sinkend — gesunkene Modulpreise erlauben niedrigere Förderbeträge. Wer früh in 2026 bietet, kann teils noch höhere Tarife erhalten als Spätbieter.

Konkretes Beispiel 200 kWp Industriedach

Beispielrechnung für eine 200 kWp Anlage auf einem Schweizer Industriedach:

  • Brutto-Investition: ca. CHF 280'000
  • GREIV-Gebot: CHF 290 / kWp = CHF 58'000 erwartet
  • Förderung erhalten: CHF 58'000
  • Netto-Investition: CHF 222'000
  • Jahresertrag: 175'000 kWh
  • Eigenverbrauchsquote (Industrie tagsüber): 65-75 %
  • Jährliche Stromersparnis: ca. CHF 30'000
  • Amortisation: 7,4 Jahre

Gebote richtig kalkulieren

Die Gebot-Höhe ist die zentrale strategische Entscheidung:

  • Zu hohes Gebot: hohe Förderung, aber Risiko keinen Zuschlag zu erhalten
  • Zu niedriges Gebot: sicherer Zuschlag, aber suboptimale Förderung
  • Erfahrungswerte: 5-10 % unter dem durchschnittlichen Vorjahresgebot bietet hohe Erfolgswahrscheinlichkeit

Spezialisierte Berater (Energieberater, Solar-Projektentwickler) helfen bei der Gebot-Kalkulation. Honorar typisch CHF 2'000-5'000, oft gut investiert.

Vor-Qualifizierung und Auflagen

Bevor Sie an einer GREIV-Auktion teilnehmen können, müssen Sie sich qualifizieren:

  • Bauprojekt vorgelegt mit verbindlichen Plänen
  • Baugenehmigung erteilt oder absehbar
  • Statische Tragfähigkeit nachgewiesen
  • Netzanschluss zugesichert vom EVU
  • Realisierungsbürgschaft (typisch 5 % der erwarteten Förderung)

Realisierungsfristen

Nach Zuschlag muss die Anlage innerhalb von 18-24 Monaten realisiert werden:

  • Frist 1: Bestellung der Komponenten innerhalb 6 Monaten
  • Frist 2: Baubeginn innerhalb 12 Monaten
  • Frist 3: Inbetriebnahme innerhalb 24 Monaten
  • Bei Verzug: Reduktion oder Verfall der Förderung

GREIV vs KLEIV: was lohnt sich bei Grenzanlagen?

Bei Anlagen knapp unter oder über 100 kWp lohnt sich Rechnen:

  • 99 kWp (KLEIV): CHF 350 + 99 × CHF 320 = CHF 32'030 garantiert
  • 110 kWp (GREIV): bei CHF 290 / kWp = CHF 31'900 erwartet, aber Auktions-Risiko

Oft ist eine knapp unter 100 kWp dimensionierte Anlage wirtschaftlich vorteilhafter — Planungssicherheit und keine Auktions-Komplexität.

Kombination mit anderen Förderungen

GREIV ist kombinierbar mit:

  • Kantonale Förderprogramme für Gewerbe
  • Mountain-Solar-Express-Förderung (bei hochalpinen Anlagen über 1'500 m bis zu 60 % Bundes-Förderung)
  • Steuerliche Abschreibung über 5-25 Jahre
  • EU-Fördermittel für grenzüberschreitende Projekte (selten relevant)

Steuerliche Behandlung

Für Gewerbe-Anwender gelten andere Regeln als für Privatpersonen:

  • Direkte Abschreibung über 5-25 Jahre möglich
  • GREIV als Investitionszuschuss verbucht
  • Mehrwertsteuer-Vorsteuerabzug bei Gewerbe
  • Steuerliche Vorteile oft erheblich grösser als reine GREIV-Förderung

Strategische Überlegungen für Bauherren

Wer eine grosse PV-Anlage plant, sollte:

  • Frühzeitig mit qualifizierten Solar-Projektentwicklern zusammenarbeiten
  • Mehrere Auktionsrunden im Blick behalten
  • Marktentwicklung beobachten und Gebote anpassen
  • Alternative Förderformen prüfen (Mountain-Solar, Kantonal)
  • ZEV-Modell für höhere Eigenverbrauchserlöse einbeziehen

Risiken der GREIV

Was kann schiefgehen?

  • Keine Zuschlagserteilung wegen zu hohem Gebot — Projekt eventuell nicht wirtschaftlich
  • Realisierungsverzögerungen reduzieren Förderung
  • Marktentwicklungen (Modulpreise, Strompreise) ändern Wirtschaftlichkeit
  • Politische Änderungen am Fördersystem

Zusammenfassung

Die GREIV-Auktion 2026 ist das zentrale Förderinstrument für Schweizer PV-Anlagen über 100 kWp. Mit aktuellen Förderbeträgen von CHF 270-310 / kWp ist sie für die meisten Gewerbe- und MFH-Projekte attraktiv. Erfolg erfordert sorgfältige Gebot-Kalkulation, professionelle Vorbereitung und Einhaltung der Realisierungsfristen. Wer plant, sollte mit erfahrenen Solar-Projektentwicklern arbeiten und mehrere Auktionsrunden im Blick behalten. Bei Anlagen knapp über 100 kWp ist eine Reduktion auf 99 kWp (KLEIV) oft die einfachere und planbarere Option.

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