Die Kosten für Solaranlagen haben in den letzten zehn Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. Was einst als teure Technologie galt, ist heute eine der wirtschaftlichsten Formen der Stromerzeugung. In diesem Artikel zeichnen wir die Preisentwicklung von 2015 bis 2026 nach, analysieren die Treiber hinter dem Preisverfall und wagen einen Ausblick auf die kommenden Jahre im Schweizer Markt.

Die grosse Preisrevolution: 2015 bis 2020

Im Jahr 2015 lag der durchschnittliche Brutto-Preis für eine schlüsselfertige Solaranlage in der Schweiz bei rund CHF 3'200 pro kWp. Eine 10-kWp-Anlage kostete somit etwa CHF 32'000. Zu diesem Zeitpunkt war Solar zwar bereits wirtschaftlich sinnvoll, aber die Amortisationszeiten lagen noch bei 15–18 Jahren, was viele potenzielle Käufer abschreckte. Die Module allein machten damals rund 40–45% der Gesamtkosten aus.

Zwischen 2015 und 2020 vollzog sich eine massive Preisreduktion, getrieben durch den rasanten Ausbau der Modulproduktion in China. Die weltweite Produktionskapazität vervielfachte sich, Skaleneffekte griffen, und die Technologie wurde effizienter. In der Schweiz sank der durchschnittliche kWp-Preis auf rund CHF 2'500 – ein Rückgang von über 20% in nur fünf Jahren. Gleichzeitig stieg der Wirkungsgrad der Module von durchschnittlich 16–17% auf 19–20%, was die Flächeneffizienz verbesserte und die Installationskosten pro kWp zusätzlich senkte.

Disruption und Normalisierung: 2020 bis 2023

Die Jahre 2020 bis 2022 brachten eine ungewöhnliche Marktdynamik. Die COVID-19-Pandemie störte die globalen Lieferketten und führte zu einem vorübergehenden Anstieg der Modulpreise. Gleichzeitig explodierten die Rohstoffpreise für Silizium, Aluminium und Kupfer. In der Schweiz stiegen die kWp-Preise vorübergehend auf CHF 2'700–2'800 – ein Rückschlag, der viele Branchenexperten überraschte und die Branche kurzfristig verunsicherte.

Ab Mitte 2022 normalisierte sich die Situation rasch. Die Lieferketten erholten sich, und die massiven Investitionen in neue Produktionskapazitäten führten zu einem Überangebot an Modulen auf dem Weltmarkt. Die Modulpreise fielen auf historische Tiefststände, teilweise unter die Produktionskosten einiger Hersteller. Dies führte zu einer Konsolidierungswelle in der Modulindustrie, bei der schwächere Hersteller aus dem Markt gedrängt wurden.

Aktuelle Situation 2024–2026

Im aktuellen Marktumfeld hat sich der Brutto-kWp-Preis bei rund CHF 2'000–2'200 stabilisiert. Die Modulpreise haben einen Boden gefunden und schwanken nur noch leicht. Der entscheidende Treiber für die Gesamtkosten sind nun die Installationskosten, die durch steigende Löhne und erhöhte Sicherheitsanforderungen moderat zunehmen.

JahrCHF/kWp bruttoModulanteilWirkungsgrad
20153'20042%16.5%
20172'80038%17.5%
20192'50035%19.0%
20212'70033%20.0%
20232'20028%21.0%
20252'10026%21.5%
20262'05025%22.0%

Die Verschiebung der Kostenstruktur

Eine der bedeutendsten strukturellen Veränderungen ist die Verschiebung des Kostenanteils. Im Jahr 2015 machten die Hardware-Kosten noch rund 55–60% des Gesamtpreises aus. Heute liegt dieser Anteil bei nur noch 35–40%. Der Rest entfällt auf Installation, Planung, Gerüstbau, Netzanschluss und Administration. Diese Verschiebung hat eine wichtige Implikation: Weitere Preissenkungen bei Modulen haben einen immer geringeren Einfluss auf den Gesamtpreis. Selbst wenn Module kostenlos wären, würde eine 10-kWp-Anlage immer noch rund CHF 12'000–14'000 kosten.

Der grösste Hebel für weitere Kostensenkungen liegt daher in der Optimierung der Installationsprozesse, der Digitalisierung der Planung und der Vereinfachung administrativer Abläufe. Innovative Installateure setzen bereits auf digitale Planungstools, Drohnenvermessung für die Dachaufnahme und standardisierte Installationsabläufe, um die Montagezeit und damit die Kosten zu reduzieren.

Förderentwicklung und Netto-Preis

Parallel zur Preisentwicklung hat sich auch die Förderlandschaft verändert. Die Einmalvergütung des Bundes wurde in den letzten Jahren schrittweise gesenkt – ein logischer Schritt, da die sinkenden Anlagenpreise die Förderung weniger notwendig machen. Während die Einmalvergütung 2018 noch bei rund CHF 500 pro kWp lag, beträgt sie heute CHF 340–420 pro kWp. Der Netto-kWp-Preis (nach Förderung) ist dennoch gesunken, da die Anlagenpreise stärker gefallen sind als die Förderung gekürzt wurde.

Für die Zukunft ist mit weiteren Kürzungen der Einmalvergütung zu rechnen. Die Energiestrategie 2050 sieht vor, die Förderung schrittweise zurückzufahren, sobald Solaranlagen ohne Unterstützung wirtschaftlich sind. Dieser Punkt ist für viele Anlagentypen bereits erreicht, was bedeutet, dass frühere Käufer von höheren Fördersätzen profitieren.

Internationale Vergleichsperspektive

Im internationalen Vergleich liegt die Schweiz bei den Solarpreisen im oberen Mittelfeld. In Deutschland kosten vergleichbare Anlagen rund 15–25% weniger, hauptsächlich wegen der tieferen Arbeitskosten und des stärkeren Wettbewerbs. In den Niederlanden und Belgien liegen die Preise ähnlich wie in Deutschland. Allerdings sind die Schweizer Förderungen und die steuerlichen Abzugsmöglichkeiten grosszügiger, was den Netto-Preis relativiert.

Die globale Lernkurve der Solarindustrie – bekannt als Swansons Law – besagt, dass die Kosten mit jeder Verdoppelung der kumulierten Produktionsmenge um rund 24% sinken. Dieses Gesetz hat sich seit über 40 Jahren bestätigt und lässt weitere Preissenkungen erwarten, wenn auch in abnehmender Geschwindigkeit.

Prognose: Wohin geht die Reise?

Für die nächsten fünf Jahre erwarten Branchenexperten eine Verlangsamung des Preisrückgangs auf jährlich 2–4%. Die Modulpreise nähern sich den Produktionskosten und haben wenig Raum für weitere Senkungen. Gleichzeitig werden steigende Löhne und neue regulatorische Anforderungen die Installationskosten leicht erhöhen. Der entscheidende Faktor für die Wirtschaftlichkeit wird künftig weniger der Anlagenpreis sein als vielmehr der Strompreis.

Mit prognostizierten Strompreisen von 35–45 Rp./kWh bis 2030 wird sich jede heute installierte Solaranlage noch schneller amortisieren als kalkuliert. Die Stromgestehungskosten einer Solaranlage (8–12 Rp./kWh) werden dann weniger als ein Viertel des Netzstrompreises betragen. Die Kombination aus tiefen Anlagenpreisen, grosszügiger Förderung und hohen Strompreisen macht 2026 zu einem der besten Zeitpunkte für den Solaranlagen-Kauf in der Schweiz.

Einfluss der Schweizer Energiestrategie 2050 auf die Kostenentwicklung

Die Energiestrategie 2050 des Bundes setzt ambitionierte Ziele für den Ausbau der Solarenergie in der Schweiz, die direkte Auswirkungen auf die Kostenentwicklung haben. Bis 2035 sollen 35 TWh Strom aus erneuerbaren Quellen produziert werden, wovon ein wesentlicher Teil aus Photovoltaik stammen soll. Um dieses Ziel zu erreichen, hat der Bundesrat verschiedene Massnahmen beschlossen, die den Markt stimulieren und die Kosten weiter senken sollen. Die Einmalvergütung (EIV) über Pronovo wurde mehrfach angepasst und vereinfacht, um die Nachfrage zu steigern. Die beschleunigte Genehmigungsverfahren für Solaranlagen reduzieren die administrativen Kosten. Die Pflicht zur Installation von Solaranlagen bei Neubauten, die mehrere Kantone bereits eingeführt haben, vergrössert den Markt und fördert Skaleneffekte bei den Installateuren. Diese politischen Rahmenbedingungen schaffen Planungssicherheit für Investoren und Installateure gleichermassen. Experten der ZHAW und des Paul Scherrer Instituts prognostizieren, dass die Modulpreise in der Schweiz bis 2030 um weitere 20–30% sinken könnten, während die Installationskosten durch effizientere Montageverfahren und steigende Fachkräftezahlen ebenfalls rückläufig sein werden.

Preisentwicklung von Batteriespeichern und deren Einfluss auf die Gesamtkosten

Die Kostenentwicklung von Batteriespeichern hat in den letzten Jahren einen dramatischen Verlauf genommen und beeinflusst zunehmend die Gesamtkosten einer Solaranlage in der Schweiz. Lithium-Ionen-Batterien sind seit 2015 um über 60% günstiger geworden, und dieser Trend setzt sich fort. Ein Heimspeicher mit 10 kWh Kapazität kostet heute in der Schweiz CHF 8'000–12'000 inklusive Installation, verglichen mit CHF 18'000–25'000 vor fünf Jahren. Marktführer wie Tesla Powerwall, BYD HVS, Huawei Luna und Schweizer Anbieter wie Designwerk konkurrieren um Marktanteile und treiben die Preise weiter nach unten. Für die Gesamtkostenentwicklung einer Solaranlage bedeutet dies, dass ein Komplettsystem mit Modulen, Wechselrichter und Batteriespeicher heute kaum mehr kostet als eine reine PV-Anlage ohne Speicher vor wenigen Jahren. Die Kombination aus sinkenden Modulpreisen und fallenden Speicherkosten macht die Solaranlage mit Speicher zum neuen Standard in der Schweiz, wobei der Eigenverbrauchsanteil von 25–35% auf 60–80% gesteigert werden kann.

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